Tabu-Thema: Gewalt in der Pflege

Aus den verschiedensten Gründen kommt es immer wieder vor, dass Pflegende oder Pflegebedürftige schweigen zum Thema Gewalt in der Pflege: Manche können nichts sagen, weil sie dement sind, andere schämen sich zu sehr, manche trauen sich nicht, und wieder andere sagen nichts, um ihre Einrichtung nicht in ein schlechtes Licht zu rücken. Doch das Tabu verhindert ein Durchbrechen von Teufelskreisen und das Einführen von Präventionsmaßnahmen.

Die gute Nachricht ist: Man kann etwas tun! Offenheit und eine gute Vorbereitung von Einrichtungen und Mitarbeitern scheinen das A und O zur Reduzierung von Gewalt in der Pflege zu sein. Für November 2020 plant die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) daher wiederholt ein Symposium zum Thema. Nach einer Studie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und der BGW fühlt sich nur ein Drittel der Beschäftigten in den Pflege- und Betreuungsberufen gut vorbereitet auf kritische Situationen.

Arten der Gewalt in der Pflege

Zunächst einmal muss zwischen den Beteiligten unterschieden werden, denn die Gewalt kann in verschiedenen Konstellationen vorkommen:

  • Gewalt gegen Pflegebedürftige
  • Gewalt zwischen Pflegebedürftigen
  • Gewalt gegen Pflegende

Zur den verschiedenen Formen der Gewalt zählen:

  • Körperliche Gewalt (u.a. ruppiges Anfassen)
  • Psychische Gewalt (u.a. Beleidigungen und Beschimpfungen)
  • Vernachlässigung (u.a. schlechte Versorgung)
  • Intime Übergriffe und (u.a. Verletzung von Schamgrenzen)
  • Finanzielle Ausbeutung (u.a. das Überreden zu Geldzuwendungen)

Warum kommt es überhaupt zur Gewalt in der Pflege?

Wenn Pflegebedürftige gewalttätig werden, dann kann das folgenden Hintergrund haben:

  • Geringe Impulskontrolle / Frustrationstoleranz (krankheits- oder medikamentös bedingt)
  • Verwirrung / Demenz
  • Aggressive Gegenreaktion auf inadäquates Verhalten eines Pflegenden

Gewalt durch Pflegende tritt typischerweise durch Überforderung, Zeitdruck und Personalmangel zutage. Problematisch ist es insbesondere, wenn wegen des großen Wettbewerbs im Gesundheitswesen gewalttätige Patienten in dafür nicht ausgestattete Einrichtungen aufgenommen werden und Situationen eskalieren. Auch bei der Pflege durch Familienmitglieder wird zum Teil Gewalt angewendet. Internationalen Studien zufolge ist das Gewaltrisiko in stationären Einrichtungen höher als in der ambulanten Pflege.

Pflegende und Pflegebedürftige betroffen – Zahlen und Fakten

Etwa ein Drittel der Beschäftigten in Pflege- und Betreuungsberufen fühlt sich nach der bereits genannten Studie von UKE und BGW durch Gewalterlebnisse stark belastet. Gewalt und Aggressionen scheinen zuzunehmen. Allerdings gibt es in Deutschland nur wenige Zahlen und Studien. Möglich ist auch, dass inzwischen genauer hingeschaut und Gewalt häufiger gemeldet wird.

Nach einer Studie der B.-Braun-Stiftung und des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung sind in den Einrichtungen systematische Aufarbeitungen von Gewaltvorkommnissen und Angebote zur Gewaltprävention eher selten. Knapp ein Drittel der Befragten beschrieb Maßnahmen gegen den Willen von Pflegebedürftigen als alltäglich. Darüber hinausgehende Gewalt gegen Pflegebedürftige erlebe knapp die Hälfte der Befragten eher selten, gut zehn Prozent allerdings auch eher bis sehr häufig.

Gegen Gewalt in der Pflege: Informationen und Prävention

Wichtig ist vor allem eine gute Vorbereitung der Einrichtungen und Mitarbeiter durch Informationen, Trainings und Maßnahmen. Dazu gehören etwa:

  • Deeskalationstrainings
  • Das Aufbrechen von Tabus und Teufelskreisen durch Offenheit
  • Ein gutes Sicherheitsmanagement
  • Systematische Gefährdungsbeurteilungen und Auswertungen
  • Eine sichere Ausstattung der Einrichtung etwa durch:
    • Fluchtwege
    • Sicherheitsglas
    • Rückzugsräume
    • Signalgeräte für Notfälle
  • Notfallpläne
  • Rettungsketten
  • Handlungsspielräume
  • Die Einbeziehung der Mitarbeiter (auch zur Sensibilisierung für das Thema und für die Akzeptanz der Maßnahmen)

In vielen Einrichtungen herrscht offenbar noch Nachholbedarf. Dabei sinkt durch eine gute Vorbereitung nicht nur das Risiko, Gewalt zu erleben, sondern auch die psychische Belastung der Mitarbeiter. Weitere Informationen und Hilfsangebote finden Sie bei der BGW  oder auch beim Zentrum für Qualität in der Pflege .

Traumjob in der Pflege finden bei Promedis24

Bei Promedis24 ist uns bewusst, dass es nichts und niemanden weiterbringt, wenn Probleme unter den Teppich gekehrt werden. Das gilt auch für das Tabu-Thema Gewalt in der Pflege. Wir haben immer ein offenes Ohr für die Herzmenschen aus der Pflege, und wir tun alles, was wir können, damit es unseren Mitarbeitern gut geht – etwa durch Schulungen und Fortbildungsangebote. Sicherheit und Transparenz schreiben wir groß, Tabus und Teufelskreise bekommen bei uns keine Chance.

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