Besuchsverbote in Altenheimen: Die zwei Seiten der Medaille

Es ist und bleibt ein Dilemma: Alte Menschen gehören zur Corona-Risikogruppe, doch sollte man sie deshalb nicht besuchen?
Vor vielen Seniorenheimen in Deutschland spielten sich im Frühjahr herzzerreißende Szenen ab. Da blickten die Bewohner aus den Fenstern und telefonierten mit ihren Liebsten, die auf der Straße standen. Näher durften die Söhne, Töchter und Enkelkinder den alten Menschen nicht kommen – zu groß war die Gefahr, dass das Coronavirus in die Betreuungseinrichtung eingeschleppt würde. Denn das hatte oftmals tödliche Konsequenzen: Tatsächlich war laut einer Erhebung vom April jeder dritte Corona-Tote Bewohner eines Pflegeheims.

Lockdown-Isolation war eine Zumutung

Aber insbesondere kognitiv eingeschränkte Menschen verstanden oftmals nicht, warum sie plötzlich keinen Besuch mehr von ihren geliebten Angehörigen bekommen durften. Die Folge war eine nie gekannte Einsamkeit. Die einzigen Besucher, die Altenheim-Bewohner empfingen, waren Pflegekräfte. Selbst Mahlzeiten wurden teilweise nur noch auf den Zimmern eingenommen – und gemeinschaftliche Aktivitäten und Spiele komplett gestrichen. Viele Pflegende betrachteten ihre Schützlinge mit Sorge: So mochten manche zwar scherzen, dass sie den Krieg überlebt hatten und nun auch so einen Lockdown aushalten würden. Doch gab es auch viele, denen die Isolation auf die psychische und physische Gesundheit schlug. Manche Einrichtungen waren so streng, dass sie Angehörigen sogar den Besuch bei Sterbenden verweigerten. Da wurde der Infektionsschutz höhergestellt als so manche ethischen Prinzipien. Ein hoher Preis für die Maßnahmen.

Keine flächendeckenden Besuchsverbote mehr – aber was dann?

Im Mai dann die Lockerungen und die Aufhebung des Besuchsverbots. Man kam gut durch den Sommer, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte Anfang September: „Es braucht keine Besuchsverbote mehr, es braucht Beschränkungen und Konzepte, gerade im Winter, wenn es nicht mehr einfach ist, sich draußen zu treffen.“ Lokal oder regional müsse natürlich reagiert werden, indem das Gesundheitsamt bei zu hohen Infektionszahlen Besucherstopps anordnet. Das flächendeckende Dichtmachen der Pflege-Institutionen sollte aber nicht wieder geschehen.

Doch jetzt droht dasselbe Dilemma wie im Frühjahr und die Frage: Wie schützen wir unsere Hochbetagen am besten? Die zweite Corona-Welle tost, die Zahlen befinden sich auf einem Rekord-Hoch – und die Altenheime und Krankenhäuser? Die wissen nicht, wie sie reagieren sollen und erlassen nun teilweise doch wieder Besuchsverbote.

Das Problem: In Deutschland gibt es keine einheitlichen Konzepte, und die Einrichtungen fühlen sich mit der Handhabung der Pandemie alleingelassen. Heimleitungen ist nicht wohl dabei, Menschen „wegzusperren“ – genau genommen ist das juristisch auch gar nicht tragbar. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert dieses Vorgehen als „Schaffung rechtsfreier Räume“. „Die allgemein gültigen Bestimmungen bieten den 12.000 Heimen zu viel Spielraum“, heißt es in einem Statement. „So schießen die Träger bei der Isolation häufig über das Ziel hinaus.“ Daher müssten Bund und Länder dringend die Regeln überarbeiten, um ein Mindestmaß an Freiheitsrechten zu gewährleisten.

Konzepte für Besuche der Liebsten

Dort passiert auch tatsächlich etwas:  Der Pflegebevollmächtige der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus nennt die erneute Komplettisolation inakzeptabel und nur in Ausnahmefällen vertretbar. Westerfellhaus arbeitet daher an einer Handlungsempfehlung für Besuchskonzepte. Transparenz soll dabei der Schlüssel sein: Wird klar kommuniziert, was geht und was eben nicht, dann können sich alle Beteiligten daran orientieren – und zwar die Bewohner, Angehörigen, die Einrichtungsbetreiber, aber auch die zuständigen Behörden. Das Ziel ist es, das „panische Wegschließen“ zu unterbinden und stattdessen aufzuzeigen, wie die Situation gelöst werden kann. Zum Beispiel könnten für die Weihnachtstage eine Staffelung und Mindestzahl der Besucher angestrebt werden. An die Mund-Nasen-Maske, Händedesinfektion oder auch das Fiebermessen am Eingang haben sich die Angehörigen ohnehin gewöhnt. Heißt: Besuche sind erlaubt, müssen aber intelligent vorbereitet werden, einem ausgeklügelten Konzept folgen und zur jeweiligen Einrichtung passen. So ist jedes Haus individuell gefragt, etwas Brauchbares auszuarbeiten, aber Richtlinien von der Bundesregierung können ihnen dabei enorm helfen.

Risiken und Personalmangel – die üblichen Probleme

Können sich die schwer arbeitenden Pflege-Herzmenschen jetzt darüber freuen, dass es zumindest Konzepte für den Umgang mit der Besuchsproblematik geben soll? Die Antwort: Jein. Natürlich freuen sie sich, wenn die von ihnen betreuten Menschen nicht wieder ganz abgeschottet werden. Aber: Aktuell obliegt die Entscheidung über Besuche weiterhin den einzelnen Häusern – und die Frage nach der Schuld, wenn es doch zu einem Corona-Ausbruch kommt, ist nicht unwesentlich. Heimleitungen tragen ohnehin schon große Verantwortung, und wenn sie die Tore zu ihren Institutionen nicht ganz schließen wollen, so bleibt die Angst, dass sie mit dem Besuch auch das Virus einladen. Da liegt es nahe, dass sie lieber kein Risiko eingehen möchten.

Außerdem bringt einem Heim das schönste Besuchskonzept nichts, wenn die Einrichtungen nicht genügend Personal haben. Pflegende sind durch die Pandemie am Limit und 12-Stunden-Schichten keine Seltenheit. Denn neben allem anderen, was sowieso im Heimalltag erledigt werden muss, bedeutet Corona viel Mehrarbeit durch Schnelltests, Hygieneauflagen und eben auch das Besuchermanagement. Niedersachsen beispielsweise hob zudem gerade die Maximalarbeitszeit für Pflegekräfte auf 60 Wochenstunden an. Die Regelung gilt bis Ende Mai 2021 und erhitzt die Gemüter in dem norddeutschen Bundesland. So werde der Kampf gegen Corona weiterhin auf dem Rücken der systemrelevanten Mitglieder der Gesellschaft ausgetragen, kritisiert die niedersächsische Pflegekammer.

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