07.09.2017

In Niedersachsens Kitas fehlen 1200 Erzieher


Hunderte Stellen in niedersächsischen Kitas können nicht besetzt werden. Allein in Hannover fehlen 513 Erzieher. Manche Träger haben Suche bereits aufgegeben. 14.000 Schüler werden gerade zu neuen Erziehern ausgebildet. Gewerkschaften und Kommunen fordern, den Beruf attraktiver zu machen.

 

Hannover. Immer häufiger können offene Stellen für Erzieher in niedersächsischen Kitas nicht besetzt werden — es fehlt einfach an geeigneten Bewerbern. Seit 2010 hat sich die Zahl der vakanten Jobs nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit fast vervierfacht. Gewerkschaften und Kommunen fordern, den Beruf attraktiver zu machen.

 

"Die Forderung nach mehr Fachkräften für die Einrichtungen ist nicht von heute auf morgen zu erfüllen", sagte die Sprecherin der Agentur für Arbeit in Niedersachsen und Bremen, Anja Schmiedeke. Im Juli waren landesweit 1205 unbesetzte Stellen für Erzieher und Sozialassistenten in der Kinderbetreuung gemeldet, sieben Jahre zuvor waren es nur 346. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte von rund 2430 auf etwa 1400. Dass es trotz der vielen offenen Stellen immer noch arbeitslose Fachkräfte gibt, liege oft an räumlicher Distanz zwischen freier Arbeitsstelle und suchender Fachkraft, so Schmiedeke: "Wer in Frage kommt, wohnt vielleicht einige Hundert Kilometer entfernt und möchte nicht so weit pendeln oder gar umziehen."

 

513 unbesetzte Stellen allein in Hannover

Auch in Hannover gibt es noch vakante Erzieherstellen. Die Agentur für Arbeit registriert aktuell 513 unbesetzte Stellen. "Der tatsächliche Bedarf dürfte noch höher liegen", sagt Holger Habenicht, Sprecher der Arbeitsagentur. Manche Kita–Träger verzichteten inzwischen auf Stellenausschreibungen, obwohl die Nachfrage von Eltern groß genug wäre, um neue Betreuungsgruppen zu eröffnen. Auch die hannoversche Stadtverwaltung, Träger von 40 Kitas, räumt ein, dass es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden sei, geeignetes Personal zu finden. "Bisher ist es aber immer gelungen, die im Kitagesetz geregelten Personalschlüssel zu erfüllen", sagt eine Stadtsprecherin.

 

Anfang 2017 gab es nach Auskunft des Kultusministeriums 14.000 Auszubildende in Bereichen der Kinder– und Jugendhilfe, so viele wie nie zuvor. Ministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) betonte, man habe jedes Jahr 450 neue Schulplätze geschaffen.

 

Wie kann die Ausbildung attraktiver werden?

Der Niedersächsische Städte– und Gemeindebund plädiert für eine Reform der Ausbildung. "Wir können uns eine dreijährige duale Ausbildung mit einer Vergütung gut vorstellen", sagte Verbandspräsident Marco Trips.

 

"Der Beruf muss attraktiver werden", fordert auch Katja Wingelewski von der Gewerkschaft Verdi. Notwendig seien kleinere Betreuungsgruppen sowie mehr Zeit für die Vorbereitung und für Leitungsaufgaben.

 

Quelle: Andreas Schinkel und Heiko Randermann, Öffnet externen Link in neuem FensterHAZ, veröffentlicht am 02.09.2017