07.08.2017

24 Geflüchtete werden Rettungssanitäter

Erfolgsmodell "Aktionswoche" von Mission Zukunft der Handwerkskammer Hamburg macht Schule

Hamburg, 14. Juli 2017 — Kitcha, Kajmak oder Harissa? Jeder brachte Spezialitäten aus dem Heimatland mit zum Frühstück in der Rettungswache in Hamburg–Bahrenfeld. 24 geflüchtete Menschen im Alter von 21 bis 49 Jahren feiern heute ihren beruflichen Erfolg und die feste Vertragszusage ihres neuen Arbeitgebers. Die angehenden Rettungssanitäter absolvieren einen einjährigen berufsbezogenen Sprachkurs mit Qualifizierung zum Rettungssanitäter bei dem Träger passage gGmbH in Kooperation mit der Falck–Unternehmensgruppe, Deutschlands größtem privaten Rettungsdienstunternehmen. Diese Qualifikation, die erstmals in Hamburg stattfindet, wird durch das ESF–BAMF–Programm des Europäischen Sozialfonds und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge finanziert. Die Maßnahme läuft von Mai dieses Jahres bis April nächsten Jahres.

 

Die Teilnehmenden kommen aus elf Ländern, darunter Eritrea, Afghanistan, Irak und die Elfenbeinküste. Sie sind ehemalige Medizinstudenten oder Taxifahrer oder haben andere Berufserfahrung. Die zwei Frauen und 22 Männer wurden vom Berater–Team des Projekts "Mission Zukunft" der Handwerkskammer Hamburg und der Anlaufstelle "W.I.R — work and integration for refugees" ausgewählt. Alle absolvierten erfolgreich eine Aktionswoche zur Kompetenzfeststellung, die gemeinsam mit Falck entwickelt wurde.

 

Das Modell der Aktionswochen des ESF–Projektes "Mission Zukunft" der Handwerkskammer Hamburg bewährt sich seit Jahren. Es gibt die Aktionswochen seit 2013 für Gewerke wie Metall–Schweißen–Elektro, das Lebensmittel- und das Gesundheitshandwerk. Das Konzept: An fünf Tagen probieren sich die Teilnehmenden in den jeweiligen Tätigkeitsbereichen aus, lernen Arbeitsmarktchancen kennen und knüpfen Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern. Wegen der großen Nachfrage in der Notfallrettung hat "Mission Zukunft" gemeinsam mit der Unternehmensgruppe Falck das Kompetenzfeststellungsverfahren den Beruf des Rettungssanitäters weiterentwickelt. "Mission Zukunft" wird von der Handwerkskammer Hamburg im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms "Integration durch Qualifizierung" koordiniert und durch Bundes– und EU–Mittel finanziert.

 

Falck sucht gut ausgebildete Fachkräfte, die mit dem Unternehmen wachsen möchten. Die Ausbildungsplätze sind unter Abiturienten und angehenden Medizin–Studenten sehr begehrt. Doch viele üben den Beruf nur so lange aus, bis sie einen Studienplatz haben. Arbeitgeber brauchen aber Beschäftigte, die sich langfristig in ihrem Beruf engagieren und weiterentwickeln wollen — solche hat Falck bei der Aktionswoche gefunden.

 

René Schümann, Recruiting–Verantwortlicher der Falck–Unternehmensgruppe, erläutert: "Alle 24 Kandidaten haben eine Einstellungsgarantie bei uns bekommen — sofern sie natürlich die Abschlussprüfung bestehen. Ohne die Unterstützung des Projektes Mission Zukunft und deren guten Kontakte zu Behörden und der Agentur für Arbeit hätten wir das Vorhaben nicht umsetzen können. In unserer Branche herrscht ein großer Fachkräftemangel und wir sind froh, mit der Aktionswoche so hoch motivierte Mitarbeitende gefunden zu haben."

 

Cigdem Gül, Projektleiterin "Mission Zukunft", Handwerkskammer Hamburg:  "Jeder zweite Geflüchtete in Hamburg bringt berufliche Kompetenzen mit. Davon haben zwar etwas mehr als die Hälfte keine formal abgeschlossene Berufsausbildung im Sinne des deutschen Berufsbildungssystems, verfügen aber über jahrelange Berufserfahrung. Diese arbeitsmarktrelevanten Kompetenzen gilt es zu erkennen und auf dem Arbeitsmarkt einzusetzen. Mit der Aktionswoche haben wir hierfür ein Verfahren entwickelt. So kann eine langfristige Integration in den Hamburger Arbeitsmarkt gelingen."

 

Tedros Mhretab, angehender Rettungssanitäter aus Eritrea, sagt: "Wir machen das, um uns gut zu integrieren. Die Qualifikation ist für unser ganzes Leben interessant." Und Abdullrahim Nazim, ein weiterer angehender Rettungssanitäter aus Afghanistan, fügt hinzu: "Ich wollte schon als Kind im medizinischen Bereich arbeiten. Mein Traum wird Wirklichkeit."

 

Unternehmen, die ebenfalls Interesse an zugewanderten Mitarbeitenden haben und selbst eine Kompetenzfeststellung durchführen möchten, können sich an "Mission Zukunft" wenden. Aufgrund der großen Nachfrage hat das Projekt jetzt den Leitfaden "Handlungsempfehlungen für die Entwicklung einer Aktionswoche" herausgegeben. Andere Institutionen wie die Handelskammer Hamburg oder die IHK–Projektgesellschaft Ostbrandenburg haben bereits Kompetenzfeststellungsverfahren nach dem Vorbild von "Mission Zukunft" umgesetzt, beispielsweise für Berufe in der Gastronomie.

 

Quelle: Öffnet externen Link in neuem FensterHandwerkskammer Hamburg


TRAUMJOB TO GO
IN BERLIN
JEDEN DIENSTAG 9-12 UHR
Ein spontaner Besuch lohnt sich. Im Handumdrehen haben Sie Ihren Traumjob in der Tasche!
Bei Fragen rufen Sie uns an:
030-3117981-02

Aktuelle News